Air France testet Biokraftstoff auf der Langstrecke

Air France-KLM, Total, Groupe ADP und Airbus haben gemeinsam den ersten Langstreckenflug durchgeführt, der mit in Frankreich hergestelltem nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) betrieben wurde.

Betankung eines A350-900 mit Biokraftstoff (Foto: Air France)

Am Dienstag (18.5.2021) um 15:40 Uhr hob der Air France-Flug 342 vom Terminal 2E des Flughafens Paris-Charles de Gaulle in Richtung Montreal ab. Seine Tanks waren zum ersten Mal mit nachhaltigem, in den französischen Werken von Total produziertem Kraftstoff gefüllt. Dieser Flug ist ein greifbares Ergebnis des gemeinsamen Bestrebens der vier Konzerne, den Luftverkehr zu dekarbonisieren und eine SAF-Lieferkette in Frankreich zu entwickeln, die Voraussetzung für die Verallgemeinerung ihrer Verwendung auf französischen Flughäfen ist.

Für den Einsatz von Biokraftstoffen sind keine Änderungen an der Lager- und Verteilungsinfrastruktur, an Flugzeugen oder Triebwerken erforderlich. Ihre schrittweise weltweite Einführung soll die CO2-Emissionen des Luftverkehrs deutlich reduzieren, was im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen steht. Der für diesen Flug verwendete Biokraftstoff wurde aus Abfällen und Reststoffen aus der Kreislaufwirtschaft hergestellt. Total produzierte den SAF aus Altspeiseöl in seiner Bioraffinerie La Mède in Südfrankreich und in seiner Fabrik in Oudalle bei Le Havre, ohne dabei neues Pflanzenöl zu verwenden. Dieses erste 100% französische SAF erhielt die ISCC-EU-Zertifizierung des International Sustainability & Carbon Certification System, einer unabhängigen Organisation, die Nachhaltigkeit garantiert. Durch die 16%ige Beimischung auf diesem Flug wurde die Emission von 20 Tonnen CO2 vermieden.

Mindestens 1% ab 2022

Mit der Entwicklung und Unterstützung von Frankreichs erster industrieller SAF-Produktion ebnen Air France-KLM, Total, ADP Group und Airbus den Weg für Frankreich, um Innovationen in der Energie- und Umweltwende voranzutreiben. Die französische Gesetzgebung sieht vor, dass Flugzeuge bis 2022 bei allen Flügen ab Frankreich mindestens 1 % SAF verwenden müssen. Damit liegt Frankreich vor dem europäischen Ziel, das im Rahmen des europäischen Green Deals eine schrittweise Erhöhung auf 2 % bis 2025 und 5 % bis 2030 vorsieht. Um diese Anforderungen zu erfüllen, wird Total ab 2024 auch SAF auf seiner rohstofffreien Plattform in Grandpuits bei Paris produzieren.

Der Flug veranschaulicht auch die Synergie der verschiedenen Treiber zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks der Luftfahrt, d.h. nachhaltiger Flugkraftstoff, Flugzeuge der neuesten Generation und Elektrifizierung des Bodenbetriebs. Der für den Flug eingesetzte Airbus A350 verbraucht 25 % weniger Treibstoff als sein Vorgänger. Darüber hinaus wurde das Flugzeug vom ersten zu 100 % elektrisch betriebenen Betankungsfahrzeug gewartet, das in Frankreich mit dem Know-how von Total entwickelt wurde, und die gesamte von Air France verwendete Bodenausrüstung wurde vollständig elektrisch betrieben.

SAF-Pionier

Air France-KLM ist ein Vorreiter bei der Erprobung nachhaltiger Flugkraftstoffe. KLM führte seinen ersten Flug mit SAF-Antrieb im Jahr 2009 durch. Seitdem hat die Gruppe die Zahl der innovativen Programme vervielfacht. Zwischen 2014 und 2016 führte sie beispielsweise in Zusammenarbeit mit einer Total-Tochtergesellschaft 78 Air-France-Flüge durch, die mit einer 10%igen SAF-Mischung betrieben wurden. Diese Tests zeigten, dass der Einsatz von SAF keinen Einfluss auf die Zuverlässigkeit des Flugbetriebs hatte. Air France-KLM beabsichtigt, seine Führungsrolle im Bereich SAF in den kommenden Jahren auszubauen und gleichzeitig einen Beitrag zur Erforschung künftiger Flugzeuggenerationen zu leisten.

Zusätzlich zu diesem Flug führt Airbus mehrere Testreihen durch, um Flugzeuge zu zertifizieren, die in den kommenden Jahrzehnten mit 100% SAF fliegen werden. Airbus hat außerdem SAF-Tankstellen in seinen Industrieanlagen installiert, damit es sowohl in der Produktion als auch bei Flugzeugauslieferungen eingesetzt werden kann. Diese Installationen tragen zu den Ambitionen von Airbus bei, alle seine industriellen Abläufe zu dekarbonisieren.

Benjamin Smith, CEO von Air France-KLM, erklärte zu diesem Erstflug: „Seit vielen Jahren engagiert sich die Air France-KLM Group für die Reduzierung ihres ökologischen Fußabdrucks. Zusammen mit der Erneuerung unserer Flotte sind nachhaltige Flugtreibstoffe mittelfristig unser wichtigster Hebel, um unsere CO2-Emissionen pro Passagier/km bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Diese beiden Maßnahmen stehen daher im Mittelpunkt unserer Strategie, neben dem Ökopiloten und dem Erreichen eines klimaneutralen Bodenbetriebs. Frankreich hat derzeit die Möglichkeit, sich als Vorreiter bei der Produktion und Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe zu positionieren, und wir tun alles, um gemeinsam mit unseren Partnern dazu beizutragen. Das Entstehen eines wirtschaftlich tragfähigen französischen Biokraftstoffsektors für die Luftfahrt für alle Beteiligten zu unterstützen, ist eine strategische Priorität für das Land und den Konzern.“

European-Aviation.net mit Air France

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