Tante Ju bleibt am Boden

Im Herbst 2015 zog sich die 80 Jahre alte Maschine einen Mittelholmbruch zu. Die Reparatur ist aufwändiger als zunächst gedacht.

Junkers Ju52/3m der Lufthansa Stiftung (© O. Pritzkow)
Junkers Ju52/3m der Lufthansa Stiftung (© O. Pritzkow)

Das schönste Geburtstagsgeschenk für die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS), die im Juni vor 30 Jahren gegründet wurde, kommt von einer 80jährigen „alten Dame“. Es ist die Nachricht, dass die „Tante Ju“, das von der DLBS liebevoll betreute Traditionsflugzeug Ju52 D-AQUI, sich früher als geplant einer Verjüngungskur unterzieht, um das langfristige Ziel zu erreichen: Die Ju52 soll ihre Fangemeinde noch mindestens bis zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2036 im Fluge begeistern. Rechtzeitig zum DLBS-Jubiläum erreichte die Stiftung eine gute Nachricht aus Berlin: Von den gut 20 Millionen Euro aus Bundesmitteln, die der Haushaltsausschuss des Bundestages am vergangenen Mittwoch für 138 Projekte des Denkmalschutz-Sonderprogramms VI freigab, sind 400.000 Euro als Beitrag zu den Restaurierungskosten der Ju52 vorgesehen.

An dem weit über Deutschlands Grenzen hinaus wohl bekanntesten Oldtimer der Lüfte war im vorigen Herbst ein Mittelholmbruch diagnostiziert worden. Seither wird das 1936 in den Dessauer Junkers-Werken gebaute 16sitzige Passagierflugzeug bei der Lufthansa Technik in Hamburg in einem sehr aufwendigen und komplizierten Verfahren repariert. Im Rahmen dieser Arbeiten müssen etliche Teile komplett neu angefertigt werden. Da die Originalmaterialien heute nicht mehr verfügbar sind, gilt es, Ersatzmaterialien und Fertigungsprozesse zu ermitteln. Dies und die jeweils notwendige abschließende sorgfältige Qualitätskontrolle führte in den vergangenen Monaten zu vorher nicht absehbaren Zeitverzügen, so dass der ursprünglich für Anfang Mai geplante Start in die Flugsaison 2016 mehrfach verschoben werden musste.

Generalüberholung geplant

Jetzt zogen der Vorstand und das Technik-Team der DLBS die Reißleine und machen aus der Not eine Tugend: Eine weitere aufwendige strukturelle Verjüngungskur insbesondere der Tragflächen der „Tante Ju“, die ursprünglich erst für die kommende Winterpause vorgesehen war und die zu einem verspäteten Start in die Flugsaison 2017 geführt hätte, wird jetzt vorgezogen. Statt zweier getrennter Reparaturphasen erlebt die Ju52 nun also eine Generalüberholung aus einem Guss. „Hinsichtlich der Qualität unserer Wartungs- und Überholungsarbeiten machen wir keine Kompromisse, auch wenn wir unsere Ju52 Fangemeinde für die Flugsaison 2016 enttäuschen müssen“, betont der neue Vorstandsvorsitzende und Accountable Manager der DLBS, der ehemalige Lufthansa Chefpilot Werner Knorr. Seine gute Botschaft: „Der Verzicht auf eine wenige Wochen kurze Restflugsaison 2016 ermöglicht es, die Wiederherstellung der Lufttüchtigkeit unserer Ju52 in bester Verfassung pünktlich zum regulären Saisonbeginn im April kommenden Jahres sicherzustellen“. Zur Erreichung dieses Zieles arbeiten erfahrene Ingenieure, Flugzeug- und Strukturmechaniker von Lufthansa Technik und Kälin Aero Technologies motiviert und eng zusammen.

400.000 Euro vom Bund

Ein wesentlicher Beitrag zur aufwendigen und teuren Restaurierung des fliegenden Oldtimers kommt aus Berlin: Am vergangenen Mittwoch gab der Haushaltsausschuss des Bundestages insgesamt gut 20 Millionen Euro aus Bundesmitteln für die Co-Finanzierung von bundesweit insgesamt 138 Projekten im Rahmen eines Denkmalschutz-Sonderprogramms frei. 400.000 Euro davon sind zur Freude von Werner Knorr für die Restaurierung der Ju52 D-AQUI vorgesehen, der im vorigen Jahr als erstem Passagierflugzeug der Welt der Status eines beweglichen Kulturdenkmals zuerkannt wurde: „Es ist eine großartige Nachricht für unser engagiertes Team und für alle Fans der ‚Tante Ju‘, dass diese einmalige Ehrung nicht nur in einer Urkunde Ausdruck fand“, so Knorr. „Die materielle Unterstützung der Restaurierung dieses wunderbaren Großraumflugzeuges der Dreißiger Jahre durch den Bund ist eine ebenso besondere wie verdiente Würdigung der herausragenden Ingenieurleistung von Hugo Junkers.“

Laufende Informationen über den aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten werden regelmäßig auf der Webseite www.lufthansa-ju52.de sowie auf www.facebook.com/LufthansaJu52 veröffentlicht.

Lufthansa Stiftung

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