Starker Gegenwind

Kommentar zur Lage bei der Lufthansa von Lisa Schmelzer

Boeing 747-8 der Lufthansa (© O. Pritzkow)
Boeing 747-8 der Lufthansa (© O. Pritzkow)

Am 30. Oktober musste Carsten Spohr mit Investoren reden. Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht. Erst recht nicht für den Lufthansa-Chef, der es längst aufgegeben hat, Kursentwicklungen verstehen zu wollen. Für die Aktie des Konzerns, dem er vorsteht, geht es seit Monaten abwärts. Anfang des Jahres kostete das Papier noch rund 30 Euro, gestern lag der Kurs nach einem Einbruch von mehr als 8% bei gut 17 Euro. Dabei hatte die Airline das zweitbeste Neunmonatsergebnis der Unternehmensgeschichte vermeldet.

Natürlich stehen Aktien von Fluggesellschaften im Fokus, sobald der Ölpreis steigt. Ausgaben für Kerosin machen einen Großteil der Aufwendungen aus. Auch Handelskonflikte können dem Geschäft schaden. Dazu kommt das Flugchaos in Deutschland, das die Passagiere verärgert, aber auch hohe Kosten bei den Fluglinien verursacht. Dass die Anleger die Airline-Branche vor diesem Hintergrund kritisch beäugen, ist verständlich. Dass sie allerdings alle Unternehmen über einen Kamm scheren, muss man nicht verstehen. Denn die Fluglinien sind nicht gleichermaßen in der Lage, dem stärker gewordenen Gegenwind Stand zu halten.

Erfolgreiches Fuel Hedging

Beispiel Ölpreis. Airlines sichern sich ganz unterschiedlich gegen Schwankungen der Treibstoffkosten ab. Manches Unternehmen hedged nur einen geringen Teil des Bedarfs – etwa die hoch verschuldete Norwegian -, manche, etwa die Lufthansa, gehen mit einem Hedginggrad von rund 80% auf Nummer sicher. Das hat der deutschen Fluggesellschaft im bisherigen Jahresverlauf ein Sicherungsergebnis von rund 700 Mill. Euro beschert, die Kerosinrechnung also entsprechend geschmälert.

Auch bei der Möglichkeit, gestiegene Kerosinausgaben über höhere Ticketpreise an die Kunden weiterzureichen, gibt es große Unterschiede. Bei einer Lufthansa, die nach wie vor eher im höherpreisigen Segment unterwegs ist, ist das sicher eher möglich, als bei der billigen Konkurrenz mit ihrer äußerst preissensiblen Kundschaft. Sollte der Ölpreis hoch bleiben, zahlen sich außerdem Investitionen in treibstoffsparende Flugzeuge aus. Dazu ist Lufthansa, die bereits Milliarden in neue Maschinen investiert hat und dennoch einen freien Cash-flow von über 1 Mrd. Euro vorhält, in der Lage. Derweil sind andere dabei, neu bestellte Flieger weiterzuverkaufen, um Löcher zu stopfen.

Lufthansa hat also gute Gründe, an ihrer Prognose festzuhalten, während zum Beispiel die erfolgsverwöhnte Ryanair schon zurückgerudert ist. An der Börse zahlt sich das für die deutsche Airline bisher aber nicht aus.

ots/Börsen-Zeitung

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