Reichlich Übergepäck

Kommentar zur Pleite von Thomas Cook von Andreas Hippin

Airbus A321 im Cook’s Club Look (© Thomas Cook)

Kommt es zu einem spektakulären Unternehmenszusammenbruch, wird gerne mit dem Finger auf die vermeintlich Schuldigen gezeigt. Peter Fankhauser, der glücklose Chief Executive von Thomas Cook, bietet sich als Sündenbock zwar an, ist aber bei weitem nicht der Einzige, der für diese Pleite verantwortlich ist. Er hatte lediglich das Pech, noch am Steuer zu sitzen, als der von seinen Vorgängern mit reichlich Schulden beladene Flugreiseveranstalter schließlich gegen die Wand fuhr. Thomas Cook hatte einfach zu viel Übergepäck, um noch einmal abzuheben.

Zombi-Unternehmen

Die endgültige Aufnahme in die Gemeinde der Firmenzombies bleibt dem Unternehmen damit erspart. Dabei handelt es sich um das Schattenreich, in dem sich im Grunde zahlungsunfähige Gesellschaften mit negativem Eigenkapital tummeln – immer wieder durch Finanzspritzen künstlich am Leben gehalten, um hässliche Löcher in den Bilanzen ihrer Gläubiger zu vermeiden. Den Banken von Thomas Cook war sicher nicht daran gelegen, ihre Kredite abschreiben zu müssen. Aber das 900 Mill. Pfund schwere Rettungspaket, auf das sich Management, Gläubiger und die chinesische Fosun Ende August geeinigt hatten, war ihnen am Ende nicht umfangreich genug. Sie fürchteten zu Recht, dass sich das Unternehmen schon binnen eines Jahres in vergleichbaren Schwierigkeiten befinden würde – eine Einschätzung, die vom britischen Verkehrsminister geteilt wurde. Grant Shapps lehnte deshalb einen Bail-out mit Steuergeldern ab. Und selbst die vom Hongkonger Milliardär Guo Guangchang mitgegründete Fosun war nicht bereit, noch mehr Geld in die Gruppe zu stecken, um ihr bisheriges Investment in den großen Namen von einst zu retten.

Ständige Gewinnwarnungen

Thomas Cook lebte über Jahre hinweg von der Hand in den Mund. Gewinnwarnung folgte auf Gewinnwarnung. Mal verschreckten islamistische Terroranschläge in Nordafrika und in der Türkei die Kundschaft, in einem anderen Sommer blieb sie zu Hause, weil sich das Wetter in Blackpool von dem in Ibiza nicht sehr unterschied. So etwas lässt sich nicht groß beeinflussen. Doch Reisen werden heute online gebucht. Das weiß man. Trotzdem betrieb das Unternehmen ein Netz von zuletzt 563 Niederlassungen. Das lässt sich nicht mit dem von hohen Zinskosten beeinträchtigten finanziellen Spielraum entschuldigen. Es fehlte einfach am Mut, harte Entscheidungen zu fällen.

Es gibt noch viele Firmen mit Übergepäck. Wenn das Wirtschaftswachstum abbröckelt, werden mehr am Boden bleiben.

ots/Börsen-Zeitung

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