Jede Menge Probleme

Ein Kommentar zu Airbus von Gesche Wüpper

Airbus-Produktion in Toulouse (© O. Pritzkow)
Airbus-Produktion in Toulouse (© O. Pritzkow)

Die Börse hat die Ergebnisse von Airbus trotz einer neuen Rückstellung von 1,3 Mrd. Euro für das A400M-Programm bejubelt, als habe der Luftfahrtkonzern bereits alle Probleme überwunden. Davon kann keine Rede sein. Zwar haben sich die finanziellen Risiken bei dem A400M-Militärtransporter deutlich verringert. Auch ist das Ende des Riesenfliegers A380 dank des neuen Großauftrag von Emirates erst einmal abgewendet. Damit aber das A380-Programm mit einer Produktionsrate von nur sechs Exemplaren pro Jahr die Ergebnisse nicht verwässert, benötigt Airbus dringend weitere Aufträge.

Kaum scheint ein Problem überwunden zu sein, taucht schon das nächste auf. Das beste Beispiel dafür ist der Verkaufsschlager A320neo. Gerade konnte man meinen, Triebwerkslieferant Pratt & Whitney (P&W) habe die bestehenden Mängel behoben, da werden neue Probleme bekannt. Die europäischen und amerikanischen Flugsicherheitsbehörden warnten vor Problemen mit Triebwerken von P&W. Deshalb stehen bei Airbus nun zahlreiche A320neos auf dem Hof. Noch hofft der Flugzeugbauer, dass das Problem schnell gelöst werden kann, doch Kunden befürchten Verspätungen von mehreren Monaten. Auch bei CFM, dem zweiten Triebwerkslieferanten des A320neo-Programms, läuft nicht alles rund. All das könnte das geplante Hochfahren der Produktion gefährden. Auch für den Ruf von Airbus ist es nicht gerade förderlich.

TAM Airbus A350 XWB enters the final assembly line at Airbus in Toulouse (© Airbus)
TAM Airbus A350 XWB enters the final assembly line at Airbus in Toulouse (© Airbus)

Zusätzlich dazu drohen die Schatten der Vergangenheit den Konzern einzuholen. Im Finanzbericht erklärt er nämlich auch, dass US-Behörden Informationen zu den Korruptionsermittlungen gegen ihn in Frankreich und Großbritannien im Zusammenhang mit dem Verkauf von Verkehrsflugzeugen angefordert haben. Denn diese könnten auch in den Zuständigkeitsbereich der US-Justiz fallen. Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern drohen bereits im Militärgeschäft Strafzahlungen und Auflagen durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten, der Heimat seines Erzrivalen Boeing. Dabei geht es um US-Technik, die in Rüstungsprojekten von Airbus verwendet worden ist.

Und als wäre all das nicht genug, müssen auch noch Nachfolger für Konzernchef Tom Enders und andere führende Manager gefunden werden. Das Mandat von Enders endet im nächsten Frühjahr und Tom Williams, COO der Flugzeugsparte, sowie Didier Evrard, Programmchef des Flugzeugbauers, nähern sich der Pensionierung. Angesichts all dieser Herausforderungen dürfte Airbus nicht so schnell zur Ruhe kommen.

ots

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