Das Versagen von Eurowings

Kommentare von Antje Höning und Birgit Marschall

Eurowings Airbus A320-200 (© FMG)
Eurowings Airbus A320-200 (© FMG)

Es ist das gute Recht einer Gewerkschaft, für ihre Forderungen zu kämpfen und diese per Arbeitsniederlegung durchzusetzen. Und naturgemäß trifft das mitunter unschuldige Kunden: Sie sind der Hebel, über den Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber treffen. Doch der Kampf, den sich die Gewerkschaft Ufo und der Lufthansa-Konzern seit Jahren liefern, hat mit normalen Tarifkonflikten nichts mehr zu tun. Man zerrt sich gegenseitig vor Gericht, spricht sich das Mandat ab, schürt mit Winkelzügen und persönlichen Attacken das gegenseitige Misstrauen. Hier werden die Rechte der Sozialpartnerschaft missbraucht.

Früher gab es in Tarifauseinandersetzungen eine Art Weihnachtsfrieden: Zum Fest und Jahreswechsel waren Streiks tabu, selbst die streiklustigen Lokführer hatten Respekt vor der Familienzeit. Nicht aber Ufo und Lufthansa. In ihrem erbitterten Kampf kennen beide keine Gnade. Erst lassen sie die Schlichtung platzen, dann kommt der Konzern kurz vor zwölf mit einem Kompromiss um die Ecke, dem Ufo in dem vergifteten Klima misstraut. Sollen die Passagiere der Eurowings, für die Germanwings die Flüge durchführt, doch sehen, wie sie nach Hause, in den Urlaub oder zur Arbeit kommen.

Abschreckend ist auch, wie Eurowings mit solchen Lagen umgeht. Wer in den vergangenen Jahren von Flugausfällen betroffen war, kann davon ein Lied singen. Überfordert von der Air-Berlin-Übernahme, zeigt sich Eurowings oft als Servicewüste. Magere Informationen, überlastete Service-Center, verweigerte Entschädigungen und viele Klagen sprechen Bände. Auch jetzt schließt Eurowings Entschädigungen aus, Streiks seien schließlich höhere Gewalt. Die Verbraucher haben es in der Hand, wie lange sie noch die Geiseln in dem Streik-Theater spielen wollen.

Unfair gegenüber den Passagieren

Auf dem Rücken Tausender Privatreisender, die über Weihnachten und Silvester Freunde und Familie besuchen, trägt die Flugbegleitergewerkschaft Ufo ihren endlosen Tarifkonflikt mit der Lufthansa aus. Ihr Streik bei Germanwings zwischen den Jahren ist unfair gegenüber den Passagieren und unangemessen in der Sache. Denn beide Seiten hatten einem Schlichtungsverfahren ja schon zugestimmt. Während einer Schlichtung zu streiken, ist völlig unüblich.

Die Gewerkschaft kann dafür auch keine nachvollziehbaren Gründe anführen. Offiziell will sie „nur“ moderate zwei Prozent mehr Lohn und höhere Spesen für das Kabinenpersonal durchsetzen. Das rechtfertigt keine so drastische Maßnahme wie diesen Streik über Silvester. Man will darüber hinaus zwar auch über eine geplante Vereinbarung zur Abschmelzung von Altersvorsorge-Leistungen des Konzerns sprechen. Hier hatten aber beide Seiten schon Verhandlungsbereitschaft signalisiert, auch die Lufthansa. Auch dies kann also kein ausreichender Streikgrund sein.

Die wahren Gründe liegen tiefer und sind psychologischer Natur. Offenkundig ist das Vertrauen der Gewerkschafter in den Lufthansa-Vorstand verloren gegangen, dass er überhaupt mit ihnen ernsthaft verhandeln will. Hier rächt sich, dass Lufthansa-Chef Spohr gegenüber Ufo in den vergangenen Monaten einen überaus harten Kurs gefahren hat. Er überzog die Gewerkschaftsführung mit Klagen und zweifelte vor Gericht sogar an, dass Ufo die Flugbegleiter vertreten darf. Spohr hoffte, die Spartengewerkschaft loszuwerden und perspektivisch durch die größere Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als Partner zu ersetzen. Das gelang jedoch nicht. Der Vorschlag, zunächst einen Mediator einzusetzen, um vor der Schlichtung wieder das nötige Vertrauen herzustellen, macht viel Sinn.

ots/Presseportal/rp-online.de/RP

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