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Comeback für Dornier 328 - European-Aviation.net

Comeback für Dornier 328

Leipzig statt Ankara: Die 30 Jahre alte Dornier 328 soll neu aufgelegt werden. Zuletzt gab es einen solchen Versuch in der Türkei.

Dornier 328 auf der ILA 2018

Das Regionalflugzeug Dornier 328 soll wieder gebaut werden. Das gaben die US-amerikanische Firma Sierra Nevada Corp. (besitzt die Rechte) und deren deutsche Tochter 328 Support Services GmbH (328SSG) am Mittwoch (21.8.2019) am Flughafen Leipzig/Halle bekannt. Dort fand am gleichen Tag die erste Nationale Luftfahrtkonferenz statt.

Der Turboprop, der vor fast 30 Jahren das erste Mal flog, soll als D328NEU neu aufgelegt werden. Dank einer leichten Rumpfstreckung können bis zu 39 Passagiere transportiert werden. Bislang waren maximal 33 Passagiere möglich. Gleichzeitig soll die Maschine dank neuer Triebwerke mit neuen Propellern effizienter und leiser werden. Zudem wird die Avionik im Cockpit auf den neuesten Stand gebracht. Später wäre auch eine Variante mit Elektromotoren denkbar. Eine aktualisierte D328 mit Jet-Triebwerken (analog zur Do328JET) soll jedoch nicht entstehen. Bei einer Auslastung mit 32 Passagieren wird eine Reichweite von 1600 km genannt.

Bau am Leipzig Airport

Die Endmontage soll laut unterzeichneter Absichtserklärung am Flughafen Leipzig/Halle erfolgen. Laut Medienberichten konnte man sich gegen Bremen „mit einem besseren Konzept“ durchsetzen. Dazu gründeten Sierra Nevada und 328SSG mit der DRA GmbH eine weitere Tochter. Der Freistaat Sachsen gibt für das neue Unternehmen 6,5 Millionen Euro dazu. Die Projektleitung erfolgt jedoch bei 328SSG in Oberpfaffenhofen nahe München. Hier entsteht auch der Prototyp. Ab 2023 soll die D328NEU dann in Leipzig gebaut werden. Dazu werden 80 Mio. Euro eine Endmontagelinie investiert. Mittelfristig sollen 250 Arbeitsplätze entstehen.

Die DRA Gmbh sieht in den kommenden 20 Jahren einen Bedarf von bis 4000 Flugzeugen mit 30-40 Sitzplätzen, hauptsächlich weil ältere Muster ersetzt werden müssen. Aktuell hat lediglich der französisch-italienische Flugzeugbauer ATR mit der ATR42 ein 50-sitziges Muster im Angebot. Mitbewerber wie Saab und Bombardier haben ihre Muster Saab 340/2000 bzw. Dash-8 eingestellt.

Neuauflage schon mehrfach geplatzt

Von der Dornier 328 entstanden lediglich 224 Flugzeuge in verschiedenen Versionen. Mit Israeli Aircraft Industries (IAI) wurde an einer Dornier 428JET mit 44 Sitzen gearbeitet. Die Entwicklung wurde im Jahr 2000 trotz bereits vorliegender Bestellungen gestoppt. Auch ein zweiter Anlauf durch die Firma Avcraft verlief im Sand, da der Markt durch Bombardier CRJ100/200 sowie Embraer 135/145 bereits gut besetzt war.

2015 wurden Pläne für eine modernisierte 328JET bekannt, die in Ankara bei STM als TRJ328 produziert werden sollte. Gleichzeitig wollte man eine größere TRJ628 entwickeln. Warum daraus nichts wurde, ist nicht bekannt – vermutlich wegen der politischen Instabilitäten in jüngster Zeit. Interessant dazu ist aber, dass das Eigner-Ehepaar von Sierra Nevada Corp (SNC) türkische Wurzeln hat. Beide gingen in den 1980er Jahren zum Studium in die USA. Präsidentin und Finanzchefin (CFO) ist Eren Ozmen, ihr Ehemann Fatih Ozmen bekleidet den Posten des CEO. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen SNC ist vor allem durch den kleinen Raumgleiter „Dream Chaser“ bekannt, der 2021 erstmals starten soll.

Vage Erfolgsaussichten

Der Erfolg der 328-Renaissance ist fraglich. Die Do328 war letztlich an mehreren Faktoren gescheitert, die auch der D328NEU zum Verhängnis werden könnten. So blieb die Do328 ein Einzelflugzeug, während Airlines auf Flugzeugfamilien drängen, um je nach Bedarf größere oder kleinere Muster wählen und einsetzen zu können. Gleichzeitig ist Deutschland für den Flugzeugbau ein ziemlich teurer Standort im Vergleich zu China oder Brasilien. Am Ende soll Fairchild-Dornier bei jedem Do328-Verkauf 1 Mio. DM Verlust verbucht haben. Das Flugzeug war am Markt sonst nicht mehr absetzbar gewesen. Projekte wie die Dornier 728 und Dornier 928 (Flugzeugfamilie!) waren dann der Sargnagel.

Die 328NEU sollte möglichst eine Schwester an die Seite gestellt bekommen – entweder nochmals leicht gestreckt, um Kunden eine Alternative zur ATR42-600 bieten zu können. Und/oder eine Elektro-328. Gerade im Zuge der aktuellen Diskussionen wäre das ein guter Schritt und ein Alleinstellungsmerkmal. Technologisch würde es sicher eher auf ein Hybridflugzeug hinauslaufen, bei dem ein kleiner Verbrennungsmotor einen Generator speist, der dann ein oder gar beide Propeller elektrisch antreibt. Ein ähnliches Konzept erforscht Airbus mit einer modifizierten BAe 146, bei der eines der vier Triebwerke elektrisch laufen soll.

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