Chapeau!

Kommentar zum Lauda-Ryanair-Deal von Lisa Schmelzer

Ryanair Boeing 737-800
Ryanair Boeing 737-800 (© O. Pritzkow)

Ryanair, bei der Zerschlagung der pleitegegangenen Air Berlin zunächst leer ausgegangen, sichert sich über Umwege doch noch den fettesten Brocken der Fluglinie. Chapeau! Mit ihrem Einstieg bei der ehemaligen Niki, die mittlerweile unter Laudamotion firmiert, ist den Iren ein echter Coup gelungen. Nahezu alle Bieter für Teile von Air Berlin hatten ein Auge auf die österreichische Fluglinie geworfen, die als einziger Ableger der maroden Airline galt, der jahrelang Profite erwirtschaftet hatte. Lufthansa kam nicht zum Zuge, weil die Bedenken der Kartellwächter zu groß waren.

Der Reisekonzern Thomas Cook bot angeblich zu wenig Geld. Beide haben mittlerweile mit Laudamotion Vereinbarungen für eine Zusammenarbeit getroffen – und beteuern nun, daran werde sich auch nach dem Einstieg von Ryanair nichts ändern. Der neue Großaktionär hat dabei aber sicher ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Ryanair sichert sich mit dem Erwerb von zunächst 24,9 Prozent und demnächst 75 Prozent auch eine stärkere Präsenz in Deutschland, wo die Österreicher vor allem am Flughafen Düsseldorf aktiv sind. Dem deutschen Markt wird in Bezug auf das Billigflugsegment deutliches Wachstumspotenzial vorausgesagt, und Ryanair konnte bisher in Deutschland außerhalb von zweit- und drittklassigen Flughäfen noch nicht richtig punkten. Das dürfte sich nun mit einem starken Standbein der Laudamotion in Düsseldorf und einem Ausbau des Flugplans ab Frankfurt/Main ändern. An beiden Flughäfen rücken die Iren der Lufthansa auf die Pelle, die in Frankfurt ein Drehkreuz unterhält und in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt mit ihrer Tochter Eurowings stark wächst.

Airbus A320-200 der Laudamotion

Etwas Entspannung könnte der Einstieg in Österreich Ryanair auch beim Thema Brexit verschaffen. Denn damit kaufen sich die Iren, die ein starkes britisches Aktionariat haben und deshalb vor einer schwierigen Phase stehen, zwei starke Stützpunkte im EU-Raum, die sich für künftiges Wachstum anbieten. Zumal Ryanair in den nächsten Jahren viele neue Flugzeuge bekommt – die jetzt auch bei ihrer neuen Tochter eingesetzt werden können.

Für die Belegschaft der Laudamotion, die bereits mit dem derzeitigen Eigentümer Niki Lauda wegen von ihr beklagter unlauterer Arbeitsbedingungen über Kreuz liegt, dürften unter Ryanair-Ägide noch schwierigere Zeiten anbrechen. Allerdings sollte den Mitarbeitern klar sein, dass das Überleben der Gesellschaft ohne die Finanzspritze aus Dublin vermutlich in Frage gestanden hätte.

ots/Börsen-Zeitung

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