Aus für Air Italy

Die italienische Airline hat den Flugbetrieb eingestellt. Einer der Anteilseigner wollte aber weiterfliegen.

Air Italy Airbus A330 (Foto: A. Bidina, GFDL 1.2)

Die in Olbia beheimatete Fluggesellschaft Air Italy hat den Flugbetrieb am Dienstag (11.2.2020) eingestellt. Das Unternehmen, das 1400 Angestellte beschäftigt, werde aufgelöst, hieß es in einer Pressemitteilung.

Air Italy versicherte, dass bereits gebuchten Fluggästen alternative Reisemöglichkeiten aufgezeigt oder das Geld zurückbezahlt werde. So wird es bis zum 26. Februar noch Flüge unter IG-Flugnummern geben, diese werden jedoch von anderen Fluggesellschaften durchgeführt. Die Maschinen der Air Italy bleiben am Boden.

Qatar wollte weiter fliegen

Laut einer Sprecherin will Air Italy zudem alle offenen Schulden begleichen. Die arabische Qatar Airways, die eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent am Unternehmen hält und weiterhin großes Potential sieht, hatte zuvor betont, dass man bereit gewesen wäre, weiteres Geld nachzuschießen. Jedoch nur, wenn auch die Mehrheitsaktionäre dies ebenfalls tun. Dies war aber abgelehnt worden.

Air Italy ist damit ein weiteres Opfer binnen weniger Monate am europäischen Himmel. Branchenexperten führen das Aus vor allem auf die starke Lowcost-Konkurrenz sowie die dauerpleite aber dennoch vom Staat gestützte Alitalia zurück. Die Flotte bestand am Ende aus vier Airbus A330, einer Boeing 737-700, vier 737-800 und drei 737 MAX 8.

Von Alisarda über Meridiana bis Air Italy

Meridiana Boeing 737-700 (© Meridiana)
Meridiana Boeing 737-700 (© Meridiana)

Das Unternehmen wurde 1963 auf Initiative von Prinz Karim Aga-Khan IV als Alisarda gegründet, um den Tourismus im Nordosten Sardinien voranzutreiben. Bis dahin war die Costa Smeralda nur auf dem Seeweg erreichbar. 1990 fusionierte Alisarda mit der spanischen Meridiana und nahm deren Namen an. 2006 beteiligte man sich mit 30 Prozent an der ebenfalls italienischen Eurofly. Drei Jahre später erfolgte der Zusammenschluss unter dem Namen Meridiana fly.

2011 gab es Verhandlungen mit Alitalia über ein mögliches Zusammengehen, doch zwei Jahre später blies Alitalia das Vorhaben auf Druck der EU-Wettbewerbskommission wieder ab. Zwischenzeitlich hatte Meridiana fly aber Air Italy geschluckt, die nun als Tochter operierte. Als sich abzeichnete, dass es keine Fusion mit Alitalia geben würde, geriet Meridiana und die Tochter Air Italy in wirtschaftliche Schieflage. 2013 entzog die italienische Luftfahrtbehörde beiden Unternehmen die dauerhafte Betriebslizenz und erteilte nur noch eine jährlich befristete Lizenz.

Der Markenauftritt der Air Italy wurde aufgegeben und alle Flüge fortan von der Muttergesellschaft, nun aber wieder als Meridiana, abgewickelt. Zugleich verabschiedete man sich vom Billigsegment. 2015 bekundete Akbar al-Baker, CEO der Qatar Airways, Interesse an einem Einstieg bei Meridiana. Dieser erfolgte im Juli 2016, indem sich Qatar mit 49 Prozent an der neuen Meridiana-Muttergesellschaft AQA Holdings beteiligte. 51 Prozent hielt Alisarda. Im April 2017 verkündete er zudem, dass er Meridiana aus seiner Boeing-737-MAX-Bestellung (60 Einheiten) 20 Flugzeuge zur Verfügung stellen will. Zugleich habe man 30 Boeing 787-9 für Langstrecken geordert. Und man drängte auf eine Namensänderung in Air Italy. Diese erfolgte zum März 2018 einhergehend mit einem neuen Erscheinungsbild. Der Flughafen Mailand-Malpensa wurde zur operationellen Basis auserkoren; Firmenleitung und Instandhaltung verblieben aber in Olbia.

European-Aviation.net

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